Der Sommer naht — und mit ihm die Urlaubsfrage: Darf Ihr Arbeitgeber Ihnen den Urlaub vorschreiben? Betriebsschließung, Auftragsrückgang, Kollektivurlaub… Hier ein Überblick über Ihre Rechte, Land für Land.
⚖️ Das Wichtigste
- Bei einer kollektiven Betriebsschließung kann der Arbeitgeber in der Regel Urlaub vorschreiben — aber nur im gesetzlichen Rahmen.
- Ein bloßer Auftragsrückgang reicht dafür nicht: dann greift die Kurzarbeit.
- Die Ankündigungsfristen zählen: rund 1 Monat in Frankreich, bis zu 3 Monate in der Schweiz.
- Die Wünsche des Arbeitnehmers sind zu berücksichtigen, besonders in Deutschland.
🇫🇷 Frankreich
Der Arbeitgeber legt den Zeitraum nach Anhörung des Sozial- und Wirtschaftsausschusses (CSE) fest und bestimmt die Reihenfolge der Abreisen nach:
- Familiensituation (Kinder, pflegebedürftige Person im Haushalt …) ;
- Betriebszugehörigkeit ;
- Tätigkeit bei anderen Arbeitgebern.
Einmal festgelegt, sind die Termine grundsätzlich nicht weniger als 1 Monat vor Abreise änderbar (außer außergewöhnliche Umstände) — schriftlich oder per Aushang.
Der Arbeitgeber kann Urlaub vorschreiben. Hat der Arbeitnehmer zu wenige Tage, kann er je nach Fall Unterstützung von France Travail erhalten oder Urlaub im Voraus nehmen; andernfalls unbezahlter Urlaub. Dauert die Schließung länger als 30 Werktage, zahlt der Arbeitgeber ein Tagegeld für die darüber hinausgehenden Tage.
📉 Auftragsrückgang
Ein bloßer Auftragsrückgang erlaubt es nicht, von heute auf morgen Urlaub vorzuschreiben: Ankündigungsfristen und Festlegungsregeln gelten.
🇱🇺 Luxemburg
Bei einer Betriebsschließung für den Jahresurlaub kann ein Kollektivurlaub eingeführt werden. Er muss einvernehmlich (mit den Arbeitnehmern oder der Personaldelegation) festgelegt und spätestens im 1. Quartal des Jahres mitgeteilt werden.
✅ Das kleine Plus
Ist der Kollektivurlaub länger als die zustehenden Urlaubstage, zählt der gesamte Zeitraum als gesetzlicher Urlaub!
📉 Auftragsrückgang
Bei nachlassender Aktivität im Sommer kann der Arbeitgeber nicht einseitig Urlaub vorschreiben.
🇧🇪 Belgien
In dieser Reihenfolge: die paritätische Kommission ; ersatzweise der Betriebsrat ; dann Arbeitgeber und Gewerkschaftsvertretung ; dann die Arbeitsordnung ; andernfalls eine individuelle Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Urlaub kann vorgeschrieben werden, wenn die Termine regelkonform festgelegt wurden (Arbeitsordnung, soziale Abstimmung oder Kollektivvereinbarung). Der Arbeitgeber muss vor dem 31. Dezember einen Aushang anbringen, jedem Arbeitnehmer eine Kopie aushändigen und eine Kopie an die Aufsicht über die Sozialgesetze senden.
📉 Auftragsrückgang
Ein bloßer Auftragsrückgang genügt nicht: Der Arbeitgeber muss auf wirtschaftliche Kurzarbeit zurückgreifen.
🇩🇪 Deutschland
Der Arbeitgeber kann den Urlaub nicht einseitig vorschreiben. Die Wünsche des Arbeitnehmers sind zu berücksichtigen, außer bei dringenden betrieblichen Erfordernissen oder vorrangigen Wünschen anderer Arbeitnehmer.
Der Arbeitgeber kann einen Teil des Urlaubs vorschreiben (sachliche organisatorische Gründe), aber nie den gesamten Urlaub: ein Teil bleibt zur freien Verfügung des Arbeitnehmers.
📉 Auftragsrückgang
Er berechtigt nicht automatisch zum Vorschreiben von Urlaub. Das wirtschaftliche Risiko trägt der Arbeitgeber — er kann eher auf Kurzarbeit zurückgreifen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
🇨🇭 Schweiz
Der Arbeitgeber legt die Termine im Einvernehmen mit dem Arbeitnehmer fest und berücksichtigt dessen Wünsche, soweit sie mit den Interessen des Betriebs vereinbar sind.
Urlaub kann vorgeschrieben werden (jährliche Betriebsschließung oder organisatorische Gründe) — nur bei außergewöhnlichen Umständen und mit ausreichender Ankündigungsfrist, in der Regel mindestens 3 Monate im Voraus.
📉 Vorübergehender Auftragsrückgang
Er rechtfertigt keine sofortige Urlaubsanordnung: Der Arbeitgeber muss nach Treu und Glauben handeln und die Interessen des Arbeitnehmers berücksichtigen.
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