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Welche Branchen stellen in Grand Est und an unseren Grenzen ein?

Candidate serrant la main d'un recruteur après un entretien d'embauche
24/08/2026
Clélia Guenin

⏱ Lesezeit: 6 Min.

Sie suchen einen Job, denken über eine berufliche Neuorientierung nach oder zögern zwischen einer Stelle in Frankreich und einer auf der anderen Seite der Grenze? Zum Herbst 2026 zeichnen die Daten der französischen, luxemburgischen, deutschen, belgischen und schweizerischen Arbeitsverwaltungen ein gemischtes Bild: der Arbeitsmarkt verlangsamt sich insgesamt, doch einige Branchen stellen weiterhin massiv ein – auf beiden Seiten der Grenze.

📌 Das Wichtigste
  • 🇫🇷 Frankreich: 2,28 Millionen Einstellungsvorhaben, die Region Grand Est hält sich besser als der nationale Durchschnitt.
  • 🇱🇺 Luxemburg: 20 „stark von Mangel betroffene“ Berufe im Jahr 2026, rückläufig gegenüber den Vorjahren.
  • 🇩🇪 Deutschland: etwa 163 Engpassberufe, über eine Million offene Stellen.
  • 🇧🇪 Belgien: 144 Mangelberufe in Wallonien, das Baugewerbe an der Spitze.
  • 🇨🇭 Schweiz: die Anspannung lässt insgesamt nach, außer im Gesundheitswesen und Bauwesen.
  • Überall gilt: die Berufe im Pflege- und Baubereich bleiben angespannt.
🇫🇷

Frankreich und Grand Est: ein sich stabilisierender Markt

-1,1 % in Grand Est

Laut der Umfrage „Besoins en Main-d’Œuvre“ (BMO) 2026 von France Travail, veröffentlicht im April, melden französische Arbeitgeber knapp 2,28 Millionen Einstellungsvorhaben für das Jahr, ein Rückgang von 6,5 % gegenüber 2025 – eine halb so starke Verlangsamung wie im Vorjahr. Gute Nachricht für Bewerber: die Rekrutierungsschwierigkeiten nehmen deutlich ab, mit 43,8 % als schwierig eingestuften Vorhaben, gegenüber 50,1 % im Jahr 2025.

Die Region Grand Est bildet eine Ausnahme: Zusammen mit der Bretagne ist sie eine der Regionen, in denen sich die Einstellungsabsichten am besten halten, mit einem auf -1,1 % begrenzten Rückgang (gegenüber -6,5 % auf nationaler Ebene).

Die vielversprechendsten Branchen 2026:

  • Gesundheit, Soziales und Dienstleistungen für Privatpersonen: rund 320.000 Einstellungsvorhaben, einer der wenigen wachsenden Sektoren (+0,4 %). Mehr als jedes zweite Vorhaben (54 %) gilt als schwer zu besetzen. Pflegehelfer, Krankenpfleger und Betreuungskräfte gehören zu den gefragtesten Profilen: bis 2030 werden in dieser Branche 500.000 Stellen zu besetzen sein.
  • Beherbergung und Gastronomie: rund 320.000 Vorhaben, wobei Küchenhilfen und Allroundkräfte landesweit die gefragtesten Berufe sind (97.100 Vorhaben).
  • Bau und Baugewerbe: rund 143.000 Vorhaben, aber mit der höchsten Schwierigkeitsquote aller Branchen (65 %), getragen von energetischer Sanierung und großen Infrastrukturprojekten.
  • Industrie: der geringste Rückgang unter den großen Branchen (-2,4 %), mit einer starken Beschleunigung in Rohstoffgewinnung, Energie und Abfallwirtschaft (+24,8 %). Schweißer, Wartungstechniker und Kesselbauer sind besonders gefragt.
💡 Gut zu wissen: 41 % der Einstellungsvorhaben 2026 entfallen auf unbefristete Verträge (CDI), in der Industrie liegt der Anteil noch höher. Detaillierte Ergebnisse nach Arbeitsmarktbezirk in Grand Est (Thionville, Forbach, Sarreguemines, Straßburg, Mulhouse, Saint-Louis, Longwy…) finden Sie unter statistiques.francetravail.org/bmo.
🇱🇺

Luxemburg: 20 „stark von Mangel betroffene“ Berufe

Liste 2026

Die ADEM hat Ende März ihre Liste 2026 der „stark von Mangel betroffenen“ Berufe (Bezugsjahr 2025) im Amtsblatt veröffentlicht. Sie umfasst nun 20 Berufe, gegenüber 22 im Jahr 2025, 24 im Jahr 2024 und 30 im Jahr 2023.

Die vielversprechendsten Branchen bleiben Soziales, Gesundheit, Gastronomie sowie bestimmte spezialisierte Verwaltungs- und Finanzfunktionen. An der Spitze der Mangelberufe: Erzieher, Krankenpfleger und Koch, neben anspruchsvollen Finanzprofilen wie OGAW-Fondsmanager oder interner Prüfer.

Neuheiten 2026: mehrere Berufe kommen neu auf die Liste, insbesondere im Bau- und Ausbaugewerbe (Verlegung und Sanierung von Dacheindeckungen), in der Industrie (Qualitätsmanagement und -technik) sowie bei Installation und Wartung von Industrieanlagen. Umgekehrt fallen Buchhalter, Controller und Organisationsberater von der Liste – diese Berufe bleiben zwar angespannt, doch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage hat sich verringert.

⚠ Wichtiger Hinweis

Laut STATEC gibt es Anfang 2026 in den Bereichen Sekretariat/Verwaltung, Buchhaltung und Informatik mehr Arbeitssuchende als Stellenangebote – Branchen, die im Großherzogtum früher sehr gefragt waren.

🇩🇪

Deutschland: massiver Fachkräftemangel

163 Engpassberufe

Trotz gedämpfter Konjunktur bleibt Deutschland strukturell von Fachkräftemangel betroffen. Die jährliche Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit verzeichnet rund 163 Engpassberufe, und die Zahl der offenen Stellen im Land wird auf über eine Million geschätzt.

Die gefragtesten Branchen:

  • Gesundheit und Pflege: Krankenpfleger, Pflegehelfer, Ärzte – die Nachfrage ist strukturell bedingt und betrifft direkt die Grenzregionen (Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg).
  • Technische Berufe und qualifiziertes Handwerk: Elektriker, Sanitär-Heizung-Klima-Installateure, Bauberufe.
  • Informatik: Entwicklung, Cloud, Cybersicherheit – IT-Spezialisten können unter bestimmten Erfahrungsvoraussetzungen sogar ohne formalen Abschluss die Blaue Karte EU erhalten.
  • Ingenieurwesen, Transport und Logistik.
💡 Gut zu wissen: Für französische Grenzgänger bleibt die Beherrschung der deutschen Sprache der entscheidende Faktor: der Bedarf ist real, doch deutsche Arbeitgeber verlangen in den meisten Fällen ein operatives Sprachniveau, und die Anerkennung von Abschlüssen (insbesondere im Gesundheitswesen) muss frühzeitig angegangen werden.
🇧🇪

Belgien: 144 Mangelberufe in Wallonien

Liste vom 01.07.2026

Der Forem hat am 1. Juli 2026 seine neue Liste der Mangelberufe veröffentlicht: 144 Berufe sind in Wallonien betroffen, darunter 69 neue Funktionen. Zu beachten: die Methodik hat sich in diesem Jahr geändert (die Analyse basiert nun auf der wallonischen Erhebung zum Arbeitskräftebedarf und einem neuen „Kritikalitätsindex“), was Vergleiche mit 2025 erschwert.

Das Baugewerbe bleibt die am stärksten betroffene Branche, mit 38 Mangelberufen (Maurer, Dachdecker, Heizungsinstallateure, Elektriker, Bauleiter, Architekten, Berufe der energetischen Sanierung). Es folgen die Technologieindustrie sowie Gesundheit und Sozialarbeit (je 19 Berufe). Die Spitze der Kritikalitätsrangliste verdeutlicht diese doppelte Dominanz von Pflege und Bau: Haushaltshilfe, Apotheker, Dachdecker, pharmazeutisch-technischer Assistent, Familienhelferin, Busfahrer, Sicherheitspersonal, Pflegehelfer, Maurer und Krankenpfleger.

In Brüssel verzeichnet Actiris seinerseits 103 kritische Funktionen, vom Gastgewerbe über Versicherungen bis zu technischen Berufen und dem Bauwesen.

💡 Gut zu wissen: Für die Bewohner der Ardennen, der Maas-Region oder von Meurthe-et-Moselle sind diese Listen ein guter Indikator für Chancen auf belgischer Seite – zumal die Zugehörigkeit zu einem Mangelberuf für Arbeitssuchende in Belgien bestimmte Förder- oder Anreizmaßnahmen eröffnen kann.
🇨🇭

Schweiz: die Anspannung lässt nach, außer bei Gesundheit und Bau

-22 % im Jahresvergleich

Der Schweizer Fachkräftemangel-Index (Adecco Group / Universität Zürich, November 2025) verzeichnet einen Rückgang von 22 % im Jahresvergleich: die wirtschaftliche Verlangsamung reduzierte die Zahl offener Stellen (-8 %), während die Zahl der Arbeitssuchenden zunahm (+17 %), die Arbeitslosenquote stieg von 2,3 % auf 2,8 %.

Doch der Mangel bleibt in vier Berufsgruppen ausgeprägt: Gesundheitsberufe (Fachärzte, Krankenpfleger, Apotheker), Bau- und Produktionsleitung (Bauleiter, Vorarbeiter), spezialisierte Techniker und Berufe der Elektronik/Elektrotechnik. In der lateinischen Schweiz weist nur der Gesundheitsbereich noch ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf.

⚠ Wichtiger Hinweis

Wichtiges Signal für Grenzgänger aus dem Haut-Rhin und dem Territoire de Belfort: Büro-, Handels- und Finanzberufe verzeichnen die stärksten Rückgänge offener Stellen – eine Entwicklung, die die Studie insbesondere auf die Exponiertheit dieser Berufe gegenüber künstlicher Intelligenz zurückführt.

🧭

Was man sich merken sollte

In der gesamten Großregion und dem Grenzbogen zeichnen sich zwei Konstanten ab:

  • Die Pflege- und Betreuungsberufe (Krankenpfleger, Pflegehelfer, Haushaltshilfen, Erzieher) sind überall von Mangel betroffen – in Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Belgien wie in der Schweiz. Die Alterung der Bevölkerung macht sie zu „krisensicheren“ Berufen, allerdings mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen (Sprache in Deutschland und Luxemburg, Anerkennung von Abschlüssen, Berufsausübungsrecht).
  • Das Baugewerbe und technische Berufe (Dachdecker, Elektriker, Heizungsinstallateure, Industriewartung, Bauleitung) stehen auf allen Engpasslisten, insbesondere getragen von der energetischen Sanierung.

Umgekehrt lässt die Anspannung bei Verwaltungs-, Buchhaltungs- und einem Teil der IT-Berufe auf mehreren Märkten (Luxemburg, Schweiz) nach – bedingt durch die Kombination aus Konjunktur und Automatisierung.

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